Bürgermeisterwahlen 2026

Bürgermeisterwahl 2026 mit Antworten

Autor: Aktives Kronberg

7. August 2026

Bürgermeisterwahl Kronberg Fragenkatalog 

Welche Antworten haben die Bürgermeisterkandidatin und der Bürgermeisterkandidat auf die wichtigen Zukunftsfragen unserer Stadt?

Hier finden Sie den Fragenkatalog des Vereins Aktives Kronberg zu Stadtentwicklung, Kulturförderung und Nachhaltigkeit.

Damit sich alle Bürgerinnen und Bürger ein eigenes Bild von den Positionen der Kandidierenden machen können, haben wir hier auch die Antworten von Frau Merklein und Herrn König.

Stadtentwicklung

1. Treten Sie dafür ein, dass auf dem „Baufeld V“ weiterhin ein „Klimaquartier“ nach dem „Eckpunktepapier“ mit bezahlbarem Wohnraum entsteht? Welche Vision vertreten Sie für die Konzeptvergabe?

Antwort Christoph König

Das Konzept des „Klimaquartiers“ ist richtig; gerade die Hitzewellen der letzten Monate zeigen deutlich, dass wir beim Klimaschutz weiter vorangehen müssen. Dies betrifft in einer Stadt wie Kronberg auch und vor allem die privaten Wohngebäude.

Bei der weiteren Entwicklung im Baufeld V müssen wir die aus dem Jahr 2019 stammenden „Eckpunkte“ der Planung so anpassen, dass ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept möglich wird. Die wichtigsten Stellschrauben sind der Anteil öffentlich geförderter Wohnungen, die Ausnutzung des Grundstücks und die Quadratmetermieten.

Antwort Katharina Merklein

Ja, ich stehe zum Klimaquartier auf dem Baufeld V nach dem Eckpunktepapier. Bezahlbarer Wohnraum soll dort entstehen – per Konzeptvergabe statt Verkauf an den Höchstbietenden: Ob per Erbbaurecht oder Verkauf entschieden wird, ist zweitrangig, entscheidend ist das beste Konzept für bezahlbaren Wohnraum. Der Bebauungsplan legt dabei den verbindlichen Rahmen fest – Wohnungsgröße, Miethöhe, Baumasse –, und der Bau-Turbo kann ein schlankes Verfahren, also Genehmigungen in Monaten statt in Jahren, ermöglichen. So bleibt die Stadt Herrin über die Entwicklung.

Ganz entscheidend: An den Stellschrauben des bestehenden Beschlusses zu Baufeld 5 wird nicht gedreht. Das Baufeld 5 wird zudem nicht durch die Kommune selbst entwickelt. Findet sich kein Investor, soll eine sinnvolle Alternative als Teil des Bahnhofsareals geprüft werden – das bleibt aber die Rückfalloption, mein Ziel ist und bleibt das Klimaquartier.

2. Wie möchten Sie sicherstellen, dass junge Familien, Senioren und Menschen mit unterem und mittlerem Einkommen künftig bezahlbaren Wohnraum in Kronberg finden können? Wollen Sie neue bezahlbare Wohnungen bauen oder wollen Sie die Wohnungssuchenden finanziell unterstützen, damit sie „marktgängige“ Mieten zahlen können?

Antwort Christoph König

In Kronberg fehlen zunehmend Wohnungen im unteren und mittleren Preissegment, die der privatwirtschaftliche Wohnungsmarkt nicht „liefert“. Deshalb muss sich die öffentliche Hand hier engagieren.

Die Stadt Kronberg ist selbst Eigentümerin des Baufelds V und des Baufelds „Altkönigblick“. Sie könnte selbst Wohnungen bauen und vermieten; dies wäre für mich nach wie vor der sinnvollste Weg, da die Stadt so dauerhaft Einfluss auf die Mietpreise behält. Wenn man den Weg mit einem Investor gehen möchte, kann die Stadt durch eine günstigere Bereitstellung des Baugrundstücks den Bau preisgünstiger Wohnungen ermöglichen.

Eine „Subjektförderung“, also ein kommunales Wohngeld, ist weder günstiger noch zielgenauer. Zudem erfordert es den Aufbau einer neuen Bürokratie – in Zeiten, in denen eher nach Personalabbau gerufen wird.

Antwort Katharina Merklein

Mein Schwerpunkt liegt klar auf der Subjektförderung: Weil bezahlbarer Wohnraum knapp ist, zahlen viele Wohnungssuchende marktgängige, oft sehr hohe Mieten – genau hier setze ich an und fördere die Menschen, nicht die Gebäude, etwa über kommunale Zuschüsse zu bestehendem Wohnraum. Wohngeld ist dabei eine Leistung des Landkreises: Ist eine Wohnung bereits günstig und darüber förderfähig, zahlt Kronberg keine zusätzliche Unterstützung – Doppelförderung vermeide ich bewusst. Neuer bezahlbarer Wohnraum, wie am Baufeld 5, soll dort entstehen, wo es sich für den Investor wirtschaftlich trägt, und in einer an das Umfeld angepassten Bauart. Bauen und Betreiben ist aber nicht Aufgabe der Stadt – die Wohnungen wird sie weder errichten noch betreiben. Deshalb setze ich im Schwerpunkt auf die Förderung der Menschen, die bezahlbaren Wohnraum brauchen, statt auf kommunale Bauprojekte.

3. An die Entwicklung und Gestaltung der Gewerbegebiete „Am Auernberg“ und „Kronberger Hang“ sind bestimmte ökologische Bedingungen durch die Verwaltung und Kronberger Stadtverordneten geknüpft worden. Unterstützen Sie diese bzw. für welches Zielbild stehen Sie als Kandidatin / Kandidat ein?

Antwort Christoph König

Ich stehe für eine nachhaltige Entwicklung der Gewerbeflächen mit qualitätvoller Architektur und ökologisch hochwertigen Freiflächen. Es ist wichtig, dass die Stadt selbst Einfluss auf die Auswahl der Unternehmen hat. „Flächenfresser“ (wie Logistikunternehmen) müssen vermieden werden.

Antwort Katharina Merklein

Ich halte es grundsätzlich für richtig, den Regionalen Flächennutzungsplan zu ändern und gewerbliche Baufläche an beiden Standorten zu ermöglichen – Kronberg braucht verlässliche Gewerbesteuereinnahmen und Flächen für heimische Unternehmen. Zwei Punkte aus den aktuellen Planungen sehe ich aber kritisch: die vorgesehene Grundflächenzahl von 0,8 für die unterirdische Bebauung und die Geschossigkeit von bis zu sechs bzw. acht Stockwerken. Der Charakter Kronbergs soll erhalten bleiben – eine Hochhaus-Silhouette am Stadtrand passt für mich nicht zu unserem Ort. Genauso wichtig ist mir der Vorrang von Innenentwicklung vor Außenentwicklung: Freiwerdende Areale, allen voran das Procter & Gamble-Gelände, sollen vorrangig genutzt werden, bevor wir zusätzliche Flächen am Stadtrand neu versiegeln. Energie- und Wärmeversorgung will ich dabei von Anfang an mitdenken, nicht nachträglich nachrüsten – die kommunale Wärmeplanung zeigt, dass beide Gebiete bereits als Teil eines möglichen Wärmenetzes gelten.

4. Ein ansprechendes und qualitativ anspruchsvolles Stadtbild, bezogen auf die Entwicklung von öffentlichen Freiflächen und auch Bauvorhaben (öffentlich, gewerblich und privat), wirkt sich positiv auf das ganze Umfeld aus. Welchen Stellenwert geben Sie diesem Aspekt, was würden Sie dafür gerne tun wollen?

Antwort Christoph König

Eine Stadtentwicklung, die einer einheitlichen Idee und hohen Ansprüchen folgt, ist wichtig für den Charakter einer Stadt. Dabei haben besonders Plätze und Freiflächen eine wichtige, identitätsschaffende Funktion. Eine solche Entwicklung kann aber nur gelingen, wenn Stadt, Politik und private Eigentümer zusammenarbeiten. Hier sehe ich die Aufgabe der Stadt und des Bürgermeisters darin, die Akteure zusammenzubringen und den politischen Prozess zu moderieren.

Antwort Katharina Merklein

Ein qualitätsvolles Stadtbild ist mir wichtig – dafür stehe ich für Augenmaß beim Bauen: einen sorgsamen Umgang mit Flächenversiegelung und Geschossigkeit, der sich am jeweiligen Ortscharakter orientiert, egal ob in der historischen Altstadt, in Schönberg oder in Oberhöchstadt. Das gilt für öffentliche, gewerbliche und private Bauvorhaben gleichermaßen. Konkret will ich Altstadt, Berliner Platz und Bahnhofsumfeld attraktiver gestalten und alle Kronberger Plätze wiederbeleben, dazu gehören mehr Sitzgelegenheiten sowie eine bessere Pflege von Viktoriapark, Schulgarten und weiteren öffentlichen Grünanlagen. Genauso wichtig wie die Gestaltung ist für mich der Erhalt: Ein gepflegtes Erscheinungsbild wirkt sich nachweislich positiv auf das Verhalten der Bürgerinnen und Bürger aus – wo sichtbar auf Sauberkeit und Ordnung geachtet wird, wird auch weniger vermüllt und weniger gegen Regeln verstoßen. Die CDU-Fraktion hat dazu bereits ein Konzept für mehr Sauberkeit und Ordnung beantragt, das ohne zusätzlichen Personalaufbau auskommen sollte – der Antrag wurde von der Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung leider abgelehnt, mit der Begründung, eine Mängelmelder-App reiche aus und mehr sei ohne neue Stellen ohnehin nicht möglich. Das greift mir zu kurz: Eine App hilft nur, wenn sie auch bekannt ist und genutzt wird – auch dafür braucht es ein Konzept, etwa einen Redaktionsplan zur Vermarktung. Für mich bleibt der Grundsatz richtig: vorhandene Ressourcen klug und sichtbar einzusetzen, das ist mir wichtiger als neue Stellen.

Förderung der Kultur

1. Die Förderung von Vereinen und kulturellen Einrichtungen ist eine freiwillige Leistung. Wollen Sie das beschlossene Sparziel von 2% erreichen, indem Sie auch die Vereinsförderung reduzieren? Wie sehen Sie die Rolle der Vereine und wie wollen Sie sie in Zukunft unterstützen?

Antwort Christoph König

Die Arbeit der Vereine im kulturellen, sozialen und sportlichen Bereich, bei den Städtepartnerschaften, in der Heimatpflege und vielen anderen Bereichen ist essentiell für das gesellschaftliche Leben in unserer Stadt. Zugleich werden die Rahmenbedingungen immer schwieriger. Deshalb brauchen die Vereine auch in Zukunft die Unterstützung der Stadt – finanziell, organisatorisch und logistisch. Dafür stehe ich als Bürgermeister.

Die pauschale Sparvorgabe von 2%, die die Fraktionen von CDU, KfB und FDP ohne Rücksicht auf die Konsequenzen beschlossen haben, führt durch die Logik des Kommunalhaushalts an vielen Stellen zu Kürzungen von 20 und mehr Prozent. Natürlich betrifft dies vor allem die „freiwilligen Leistungen“, zu denen auch Kultur- und Vereinsförderung gehört. Dennoch haben wir es bisher geschafft, die Sparziele ohne Kürzung in diesen Bereichen umzusetzen, und das soll auch so bleiben.

Antwort Katharina Merklein

Ein pauschales Kürzen der Vereinsförderung um 2 % lehne ich ab. Stattdessen werde ich – wie auch freiwillige Leistungen insgesamt – die Vereinszuschüsse regelmäßig, alle zwei Jahre, auf Höhe, Kriterien und Zielgenauigkeit überprüfen: Wird das Geld richtig eingesetzt, damit Kronberger Bürgerinnen und Bürger profitieren, und wird der Zuschuss noch in der bewilligten Höhe benötigt? Vereine sind für mich ein zentraler Baustein des gesellschaftlichen Zusammenhalts in Kronberg – über 100 an der Zahl, von Sportvereinen bis Kulturinitiativen, getragen von Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Es geht mir nicht ums Kürzen um des Kürzens willen, sondern um nachvollziehbare, zielgenaue Förderkriterien statt Gießkannenprinzip. Zur Unterstützung gehört für mich mehr als Zuschüsse: Spendenakquise ist und bleibt Aufgabe der Vereine selbst, aber die Stadt kann Plattformen bieten, auf denen sich Vereine sichtbar präsentieren können, etwa auf der städtischen Website. Wichtiger ist mir eine enge Zusammenarbeit mit den Vereinsringen, um Veranstaltungen koordinierend zu begleiten, sowie Unterstützung bei der Erfüllung von Sicherheitskonzepten – damit Vereine sich auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren können, statt an Bürokratie zu scheitern.

2. Mit welchen Maßnahmen möchten Sie insbesondere junge Menschen für Kulturangebote in Kronberg gewinnen und deren eigene kulturelle Aktivitäten stärken?

Antwort Christoph König

Ich halte nichts davon, wenn die Älteren der Jugend erklären, was sie tun sollen. Es gibt sehr gute Initiativen junger Menschen in Kronberg, die ich gerne unterstütze – das SDG-Café ist ein tolles Beispiel dafür. Wichtig ist, dass wir als Stadt auch und gerade jungen Menschen die Möglichkeit geben, ihre eigenen Ideen und Projekte zu entwickeln. Dafür will ich mich weiterhin einsetzen.

Antwort Katharina Merklein

Nach meiner Erfahrung ist es zielführend, an vorhandenem Engagement anzudocken und dies zu entwickeln, statt parallele neue Strukturen aufzubauen – Kronberg hat bereits eine lebendige kulturelle Basis für junge Menschen: die Malschule im Museum Kronberger Malerkolonie, den Burgverein mit seinem Kinderprogramm zu Geschichtselementen, die VHS, die Kirchengemeinden sowie die Musikvereine mit Instrumentenunterricht und Jugendchören. Diese Angebote will ich besser vernetzen und sichtbarer machen, statt Neues parallel aufzubauen. Das Jugendzentrum in Oberhöchstadt will ich erhalten und stärken, als festen Ankerpunkt für eigene kulturelle Aktivitäten, und die Ideen junger Menschen gemeinsam mit dem Jugendrat aufgreifen und umsetzen. Kronberg hat mit der Kronberg Academy zudem eine international ausstrahlende Institution – hier will ich mehr niedrigschwellige Berührungspunkte für Kronberger Jugendliche schaffen, etwa offene Formate oder Schulkooperationen. Für eigene kulturelle Initiativen junger Menschen braucht es zuerst einen unbürokratischen Zugang zu Räumen und nur eventuell eine (kleine) finanzielle Unterstützung, ohne aufwendige Antragsverfahren. Vor allem aber müssen die Aktivitäten der Jugendlichen sichtbarer werden – nur was bekannt ist, wird auch genutzt. Deshalb will ich Vereine gezielt bei Auftrittsmöglichkeiten in kommunalen Räumen unterstützen, etwa mit der Bühne im Viktoriapark für Laienspiel und ähnliche Formate.

3. Welche neuen Impulse wollen Sie im Bereich der Kultur setzen?

Antwort Christoph König

Ich unterstütze aus Überzeugung die zahlreichen Organisationen, Vereine und Einzelpersonen, die in Kronberg im kulturellen Bereich tätig sind. Ich setze mich auch gern für neue Aktivitäten ein, die z. B. eine Anschubfinanzierung, eine Vernetzung oder eine anderweitige Unterstützung brauchen. Hier sehe ich eine wichtige Aufgabe des Bürgermeisters. Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass das reiche Kronberger Kulturleben selbst immer wieder neue Ideen und Impulse hervorbringt; Anstöße aus der Politik sind da eher nicht erforderlich.

Antwort Katharina Merklein

Kronberg hat mit dem Casals Forum, der Kronberg Academy und dem Museum Kronberger Malerkolonie kulturelle Leuchttürme, die überregional ausstrahlen – Musik und Kunst sind für mich der Kern, mit dem sich Kronberg als Kulturstadt positionieren kann. Das ist Teil meines Ansatzes zur externen Markenentwicklung: Kronberg soll nach außen als Kulturstadt sichtbar werden, nicht nur als Wohnort im Grünen. Mein neuer Impuls dafür: professionelle Angebote und Vereinsaktivitäten enger miteinander verzahnen, statt sie nebeneinander laufen zu lassen. Dafür will ich einen digitalen kulturellen Veranstaltungskalender aufbauen, der ein Konzert im Casals Forum genauso zeigt wie das nächste Vereinskonzert, eine Vernissage in einer der Kronberger Galerien, einen Vortrag oder die Ausstellung im Museum – damit niemand mehr zufällig von einem Angebot erfährt, sondern gezielt hinfindet. Ergänzend will ich prüfen, ob sich der Kronberg-Pass gezielt ausbauen lässt, damit auch Menschen mit kleinerem Budget regelmäßig an unserem kulturellen Leben teilhaben können.

Nachhaltigkeit

1. Welche konkreten Schritte wollen Sie unternehmen, um Kronberg bis 2035, entsprechend der politischen Vorgabe der Stadtverordnetenversammlung, klimaneutral zu gestalten? Was machen Sie in den nächsten 3 Jahren dafür?

Antwort Christoph König

Wir haben in den vergangenen Jahren konsequent in den Ausbau der Photovoltaik investiert, diesen Weg will ich weitergehen. Auch die energetische Sanierung der städtischen Immobilien muss fortgesetzt werden. Ein wichtiger Schritt ist auch die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf wesentlich sparsamere LED-Leuchten.

Antwort Katharina Merklein

Der Stadtverordnetenbeschluss zur Klimaneutralität 2035 ist ambitioniert – zehn Jahre vor der gesetzlichen Frist. Ehrlich gesagt: Die letzte Treibhausgasbilanz (Bilanzjahr 2022) zeigt, dass wir dieses Ziel deutlich verfehlen – beim aktuellen Tempo würde Kronberg erst 2119 klimaneutral, es bräuchte 7,5-mal so viel jährliche Einsparung wie aktuell erreicht wird. Genau deshalb setze ich meinen Schwerpunkt dort, wo der größte Hebel liegt: Mit 47 % ist der Haushaltssektor der mit Abstand größte Verbrauchssektor, vor Industrie (21 %) und Verkehr (18 %) – deshalb stehen für mich die Wärmeplanung und die Stromversorgung der privaten und gewerblichen Haushalte im Zentrum meiner Klimapolitik.

Für die nächsten drei Jahre setze ich auf einen realistischen gestuften Weg statt eines pauschalen Rundumschlags: Zunächst werden Machbarkeitsstudien nur für die Gebiete mit der höchsten Realisierungswahrscheinlichkeit beauftragt – Kronberg-Süd (alt und neu) sowie Kronberger Hang –, gefolgt von einer Studie für das Altstadt-Quartier, sobald die Haushaltsmittel dafür bereitstehen. Vor jeder weiteren Studie berichtet die Verwaltung der Stadtverordnetenversammlung über die bisherigen Erfahrungswerte. Wichtig ist mir dabei: Ein mögliches Fernwärmenetz soll nicht die Stadt selbst bauen und betreiben, sondern ein erfahrener Energieversorger wie Süwag oder Mainova, der das bereits kann. Genauso wichtig: keine zusätzlichen dauerhaften Personal- oder Organisationsstrukturen in der Verwaltung – weder für den Bürgerdialog, der sich auf bestehende Beratungs- und Förderangebote von Bund, Land, Verbraucherzentrale und Energieagenturen stützt, noch für die Gebäudesanierungsstrategie, die im Rahmen der bestehenden Verwaltungsstrukturen weiterentwickelt wird. Mein Grundsatz: ein technologieoffener, wirtschaftlich tragfähiger und haushaltsverträglicher Transformationspfad, ohne unnötige finanzielle oder infrastrukturelle Vorfestlegungen.

2. Wie möchten Sie den Ausbau erneuerbarer Energie und die energetische Sanierung privater Gebäude voranbringen?

Antwort Christoph König

Die Stadt Kronberg berät private Hauseigentümer bzw. vermittelt Beratungsleistungen und fördert seit dem vergangenen Jahr private Baumaßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung. Diese Angebote werden gut genutzt und zeigen Wirkung; ein sinnvoller Weg, den ich weitergehen will.

Antwort Katharina Merklein

Bei der Solarenergie sehe ich vor allem beim Ausbau von Photovoltaik auf Dächern noch Potenzial, ergänzt durch Solarthermie, die laut kommunaler Wärmeplanung rund 19 % des Wärmebedarfs dezentral decken könnte. Bei der Sanierung setze ich auf das bereits angelegte kommunale Förderprogramm und die aufsuchende Energieberatung – gerade in der Altstadt braucht es dabei eine Balance zwischen Denkmalschutz und Energieeffizienz. Wichtig ist mir auch der enge Kontakt zum lokalen Gasnetzbetreiber, um zu klären, ob sich künftig mehr erneuerbare Energien wie Biogas über das bestehende Netz einspeisen lassen. Bei oberflächennaher und kalter Erdwärme bin ich zurückhaltender: Boden- und Wasserschutzgutachten zeigen, dass klassische Erdwärmesonden in weiten Teilen Kronbergs problematisch sind – Erdwärmekollektoren oder kalte Nahwärmenetze bleiben aber im Einzelfall prüfenswert. Und Nachhaltigkeit endet für mich nicht bei Wärme und Strom: Auch unser Trinkwassernetz mit Verlusten von rund 141.000 m³ jährlich, ca. 11,2 % der gesamten Netzeinspeisung braucht eine kostengünstige Sanierungsstrategie, wo immer möglich mit grabenlosen Verfahren.

3. Welche Prioritäten setzen Sie bei der nachhaltigen Mobilität von Bürgern, insbesondere im Hinblick auf den öffentlichen Nahverkehr, den Radverkehr und die Verkehrssituation in Kronberg?

Antwort Christoph König

Nachdem wir in den vergangenen Jahren das Busnetz um Kronberg deutlich verbessern konnten, bleibt eine der wichtigsten Aufgaben die Stabilisierung der S4 – leider haben wir als Stadt hier nur wenig Einfluss. Ich möchte die P+R-Kapazitäten in Kronberg-Süd ausbauen, um das enge Bahnhofsumfeld von Autoverkehr zu entlasten.

Das Radwegenetz muss weiter ausgebaut und verbessert werden, wichtig ist vor allem, Lücken zu schließen und die Verbindungen in die Nachbarstädte zu verbessern.

Antwort Katharina Merklein

Der auslaufende Konzessionsvertrag für den Stadtbus Ende 2027 ist für mich der zentrale Hebel: Er gibt uns die Chance, den ÖPNV neu zu denken – etwa mit On-Demand-Angeboten (Anruf-Sammeltaxi/Rufbus), die gerade in den Randlagen und für Senioren flexibler und wirtschaftlicher sein können als ein starrer Linienplan. Dabei lohnt sich der Blick auf andere Kommunen: Hamburg zeigt mit MOIA, wie On-Demand-Mobilität und perspektivisch auch autonomes Fahren den ÖPNV sinnvoll ergänzen können, gerade dort, wo klassische Linienbusse unwirtschaftlich sind – etwa sonntags, wenn unser Stadtbus aktuell gar nicht fährt. Das ist kein 1:1-Modell für Kronberg, aber ein Vorbild, das ich mir für die Neuausschreibung der Konzession genau ansehen will. Beim Radverkehr setze ich auf gleichberechtigte Infrastruktur für Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer statt ideologischer Debatten: Lücken im Radwegenetz schließen, die Sicherheit erhöhen und speziell die Schülerradroute zwischen Oberhöchstadt und Schönberg (Oberer Lindenstruthweg) smart beleuchten. Ein konkreter Ansatzpunkt dabei: Anders als unsere Nachbarstädte Bad Homburg, Oberursel und Steinbach ist Kronberg bislang nicht Teil der Radschnellweg-Partnerschaft des Regionalverbands FrankfurtRheinMain – hier will ich eng mit dem Regionalverband und den Nachbarstädten zusammenarbeiten. Bei der allgemeinen Verkehrssituation setze ich mich für einen spürbar besseren Verkehrsfluss von und nach Frankfurt über die L 3005 ein, in Zusammenarbeit mit den Nachbarstädten und Hessen Mobil, sowie für Lärmschutz und Verkehrsberuhigung dort, wo es wirklich nötig ist.

4. Werden Sie die Finanzierung eines städtischen Klimaanpassungsmanagers unterstützen, der sich um die Anpassung der Stadt an die neuen Klima- Gegebenheiten kümmert?

Antwort Christoph König

Die wirksame Umsetzung der Klimaanpassungsmaßnahmen erfordert personelle Ressourcen. Deshalb habe ich mich für die befristete Einstellung eines Klimaanpassungs­managers eingesetzt und werde dies weiterhin tun.

Antwort Katharina Merklein

Ja, aber mit Prüfvorbehalt. Krisenresilienz ist für mich eine Kernaufgabe – Kronberg muss auf Extremwetter, Waldbrände und biologische Gefahren wie den Eichenprozessionsspinner vorbereitet sein. Bevor ich aber eine neue Stelle schaffe, prüfe ich erst, ob eine bestehende Position im Rathaus diese Aufgabe übernehmen kann oder ob sich der Prozess digitalisieren und verschlanken lässt – das ist mein Grundsatz bei jeder Personalentscheidung, nicht nur hier. Zeigt diese Prüfung, dass es die Stelle wirklich zusätzlich braucht, stehe ich zur Finanzierung. Eine neue Stelle ist also möglich, aber kein Automatismus.

5. Was werden Sie gegen die Hitze(-inseln) in der Stadt unternehmen?

Antwort Christoph König

Das Aufheizen der Innenstädte ist ein landesweites Problem. Mit Begrünung, Wasser und Verschattung (durch Sonnensegel oder Pflanzen) kann dem entgegengewirkt werden. Gerade das Begrünen ist nicht immer einfach und braucht seine Zeit, zumal Bäume es in der Stadt immer schwerer haben. Als schnellere und flexiblere Maßnahmen können mobile Elemente eingesetzt werden – wie das „Grüne Zimmer“, das beim ersten StadtStrand in Kronberg zu Gast war.

Antwort Katharina Merklein

Ich setze auf Maßnahmen, die Regenwasser zurückhalten und versickern lassen statt es abzuleiten: Förderung von Dachbegrünungen und Zisternen, dazu eine nachhaltige Wiederaufforstung mit klimaresistenten Baumarten – gerade der durch Brände, Stürme und den Borkenkäfer geschädigte Baumbestand am Altkönig braucht das dringend. Mehr Grün und mehr Beschattung sind für mich der wirksamste Hebel gegen Hitzeinseln in der Stadt, ergänzt um eine gute Pflege von Wald- und Spazierwegen sowie öffentlichen Grünflächen wie dem Viktoriapark. Konkret will ich prüfen lassen, wo sich Fassaden und weitere Flächen begrünen lassen, um Temperatur und Sauerstoffgehalt spürbar zu verbessern. Bei der Neupflanzung von Straßenbäumen setze ich auf kleinere Arten mit geringerem Wasserbedarf, die sich passend zum jeweiligen Standort entwickeln und kostengünstiger sind – und wo möglich und bislang nicht vorhanden, sollen Alleebäume angepflanzt werden.

6. Welche konkret wirksamen Meilensteine der Kommunalen Wärmeplanung planen Sie in Ihrer Amtszeit zu erreichen?

Antwort Christoph König

Die Nahwärmeversorgung der neuen Gewerbegebiete Am Auernberg und Am Kronberger Hang soll stehen – am besten gespeist aus Rechenzentrums-Abwärme. Ebenso soll die Nahwärmeversorgung für die Nachnutzung des Procter & Gamble-Geländes vorbereitet sein.

Antwort Katharina Merklein

Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt hat die Wärmeplanung im Juni 2026 mit vier Startermaßnahmen für 2026 bis 2030 beschlossen, an denen ich mich als konkrete Meilensteine orientiere: Die ersten beiden Machbarkeitsstudien für Kronberg-Süd und Kronberger Hang sollen zeigen, ob und wann sich dort ein Fernwärmenetz wirtschaftlich betreiben lässt – die Ergebnisse erwarte ich noch in dieser Wahlperiode, bevor über eine Studie für die Altstadt entschieden wird. Parallel dazu will ich die bestehenden Sanierungs- und Beratungsangebote konsequent bekannter machen, damit private Haushalte schon vor einem möglichen Wärmenetz-Anschluss aktiv werden können. Das digitale Kartentool und weitere Schritte folgen erst, wenn die ersten Studien belastbare Ergebnisse liefern. Für mich ist der wichtigste Meilenstein aber ein grundsätzlicher: Der Anschluss an ein künftiges Wärmenetz muss freiwillig bleiben, keine Pflicht von oben.

Zusatzfrage für beide Kandidaten

1. Welche Schlagzeilen über Kronberg wollen Sie am Ende Ihrer Amtszeit am liebsten lesen?

Antwort Christoph König

„Erste Wohnungen im neuen Klimaquartier am Bahnhof sind bezugsfertig.“

„Feuerwehr Kronberg im neuen Domizil einsatzbereit.“

Antwort Katharina Merklein

„Kronberg: erste Adresse im Rhein-Main-Gebiet zum Arbeiten und Wohnen – international ausgerichtet, Tradition und Moderne vereint.“ „Kronberg die Kulturstadt – Musik, Malerei und lebendige Vereinskultur, die weit über die Region hinausstrahlen.“ „Haushalt saniert, ohne dass die Steuern gestiegen sind.“ Und ganz am liebsten: „Kronberg ist eine Stadt, in der man sich sicher und zu Hause fühlt – mit einer Bürgermeisterin, die den Bürgern zugehört und dann entschieden und gehandelt hat.“

Wir würden uns über Ihre schriftlichen Antworten per Mail an mail@aktiveskronberg.de freuen, die wir wortgetreu auf unserer Homepage veröffentlichen wollen und genauso an die Presse weiterleiten werden.

Uns ist bewusst, dass Sie als Bürgermeisterin oder Bürgermeister aus rechtlichen, verwaltungstechnischen wie politischen Gründen nur begrenzten Gestaltungs – und Entscheidungsspielraum haben. Dies können und werden Sie sicherlich in ihre Antworten einfließen lassen.
Dass sich die Dinge anders als gedacht entwickeln können, ist sicher ein vertrautes Phänomen, gerade in unserer Zeit. Deswegen können Ihre Antworten lediglich Ihre Version und Ihre Einstellung zu den Themen aufzeigen. Diese sind für die Wählerinnen und Wähler aber durchaus aufschlussreich.

Keinesfalls sehen wir es als selbstverständlich an, dass Sie unsere Fragen beantworten,
wir bedanken uns daher ausdrücklich und im Voraus für Ihre Teilnahme!

 

Mit freundlichen Grüßen

Das Vorstandsteam des Vereins Aktives Kronberg

Frühere Artikel zum Thema Politik in Kronberg finden Sie hier.

Informationen der Stadt und die Möglichkeit den Wahlschein zu beantragen finden Sie hier.

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