Kreislaufwirtschaft in Hessen

Autor: Aktives Kronberg

23. August 2025

Zuviel Müll – mehr Kreislauf! Was können wir dafür tun?

Ein Abend mit unbequemen, aber wichtigen Themen

Der Titel der Veranstaltung des Vereins Aktives Kronberg am 26.6.2025 in den Kronberger Lichtspielen verhieß nicht gerade ein Wohlfühlthema. Trotz alledem haben sich rund 30 interessierte Gäste eingefunden.

Zahlen und Fakten zur Abfalllage in Hessen

Zuerst wurden die Teilnehmer mit Zahlen und Fakten versorgt: 3.327.568 Tonnen Siedlungsabfälle fallen in Hessen an. Darunter sind die Abfälle aus Haushalten und Kleingewerbe mit 2.716.004 Tonnen am höchsten (81,6%). Darauf verwies Frau Dr. Petra Meyer-Ziegenfuß vom Umweltministerium Hessen. Aus ihrer Statistik geht hervor, dass die Abfallmenge an Wertstoffen je Jahr und Einwohner im Jahr 2023 248 kg betrug, für den Hochtaunuskreis waren es sogar 281,1 kg. Demgegenüber betrugt die Menge an Hausmüll 137,2 kg, für den Hochtaunuskreis waren es 115,1 kg. Tendenz stagnierend!

Kritik an der Müllverbrennung – Plädoyer für Kreislaufwirtschaft

Die Abfallverbrennung, wie sie derzeit noch für den Müll aus Kronberg durchgeführt wird, bezeichnete sie als nicht mehr zeitgemäß, da sie CO2 freisetzt. Stattdessen hob sie auf das Modell der Kreislaufwirtschaft ab, die den Rohstoffverbrauch sowie die Abfallmenge und Emissionen senken könne. Damit würden Mensch und Umwelt, aber auch die Ressourcen geschützt.

 

Abbildung 1: Quelle wissenschaftlicher Dienst des europäischen Parlaments
aus Präsentation von Dr. Petra Meyer-Ziegenfuß

Hersteller, Politik und Verbraucher – Wer trägt Verantwortung?

Als Akteure dieser Art des Wirtschaftens sah sie die Hersteller, die Politik und VerbraucherInnen. Bei den Herstellern hob sie beispielsweise auf die Rücknahmepflicht von Verpackungen und eine Mehrwegangebots- sowie Pfandpflicht ab. Ziel müsse ein recyclingfähiges Produktdesign und die Förderung von Recycling und Mengenreduzierung sein. Um auch nur annähernd diese Ziele zu erreichen, ist die Politik gefordert. Hier sah Frau Dr. Meyer-Ziegenfuß die Notwendigkeit, eine erweiterte Herstellerverantwortung durchzusetzen, ggf. auch Beschränkungen und Verbote für bestimmte Produkte auszusprechen. Initiativen für Abfallvermeidungsprogramme und eine Kreislaufwirtschaftsstrategie seien unerlässlich und wurden bereits ergriffen. Den Fokus alleine auf die VerbraucherInnen sei zu kurzsichtig, der spätere Müll entsteht schon beim Produzenten. Bei korrekter Mülltrennung jedoch könne der Verbraucher ebenfalls seinen Teil zur Reduzierung des Mülls beitragen, und räumte damit einige Zweifel aus dem Publikum aus.

Mehrwegverpackungen im Online-Handel: Beispiel Boomerang

Die Veranstaltung wurde eingeleitet mit einem Film zu einem nachhaltigen Mehrweg- Verpackungssystem für den Online-Handel. Die Firma Boomerang präsentierte ihre Versandverpackung aus recyceltem Kunststoff, die als Mehrwegverpackung genutzt werden kann. Benutzte Verpackungen werden zusammengefaltet und gehen per Post zurück an Boomerang. Auf diese Weise sei es möglich, bis zu 80 % CO2 im Vergleich zu Kartonagen einzusparen oder 50 Einwegkartonagen (pro einzelne Bestellung) zu ersetzen. Der Erfolg dieses Produktes hängt jedoch von der Nachfrage des Kunden und Endverbrauchers ab. Eine Anfrage bei seinem Online-Händler bewirkt, dass dieser sich für diese Versandform interessiert und einsetzt.

Product-as-a-Service: Nutzung statt Besitz

Maximilian Gehri von der Regionalgruppe Darmstadt der NGO Cradle-to-Cradle betonte, dass Rohstoffe endlich sind und deshalb verschiedene Lösungsansätze entwickelt wurden mittels Kreislaufwirtschaft Rohstoffe zu sparen bzw. wiederzuverwenden. Kennzeichnend für eine solche Kreislaufwirtschaft und -gesellschaft sei z.B. die Produktnutzung anstelle des Produktbesitzes („Product-as-a-Service“). Ziel sei es, viele dauerhafte Nutzer zu gewinnen anstelle des Verkaufs vieler Produkte. Im Interesse des Herstellers sei es dann eine hohe Qualität sowie Reparierbarkeit der Produkte zu produzieren was schliesslich die Ressourcen der Erde schont. Mieten statt kaufen und bezahlen für die Nutzung (pay per use z.B. einer Waschmaschine) könnten zur Maxime des umweltbewussten Handelns werden. Schliesslich stellte Maximilian Gehri eine Reihe von Produkten vor, die schon beim Produktdesign aus recyceltem Material hergestellt werden und für das Recycling vorausgedacht sind.

Europa im Vergleich – Vorbilder in Sachen Kreislaufwirtschaft

Philipp Krohn von der FAZ hob in der nachfolgenden Gesprächsrunde hervor, dass es planetare Grenzen gebe und die Kreislaufwirtschaft sowohl auf den Klimaschutz wie auch den Biodiversitätsschutz einzahle. Er sieht die Entkopplung von Wohlstand, Material- und Energieverbrauch als eine zentrale Aufgabe für die Regierungen der Welt. „Europameister“ der Kreislaufwirtschaft ist nicht etwa Deutschland, sondern die Niederlande und dies vor Italien. Beide haben mit Abstand die höchsten Quoten der in der Produktion eingesetzten Sekundärrohstoffe. Verantwortlich dafür ist eine pragmatische Gesetzgebung und eine enge Kooperation des Gesetzgebers mit den Unternehmen. Eine positive Entwicklung: Die Lebensdauer von Autos und Wohnungen ist in Europa höher als im internationalen Durchschnitt.

Offene Diskussion und persönlicher Beitrag zum Wandel

Die Diskussion mit den Gästen und Teilnehmern war lebhaft und vielschichtig. Diejenigen, die an diesem Sommerabend ins kühle Kino gekommen waren, konnten sich intensiv einbringen, Fragen stellen und Stellung nehmen.

Persönliche Verantwortung als Schlüssel

Andrea Poerschke, die durch den Abend geführt hatte, stellte abschließend fest: „Und immer noch gilt: Die Nachfrage bestimmt das Angebot und genau hierin liegt die persönliche Wirksamkeit und Verantwortung Ressourcen zu schonen und damit CO 2 mindernd zu leben“. Auch eine lokale, kleine Veranstaltung wie diese trägt da zur Wissensvermittlung, Meinungsbildung und einem lebendigen persönlichen Austausch bei und hält ein wichtiges Umweltthema in der Diskussion“.

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Präsentation von Maximilian Gehri

Informationen zu Maximilian Gehri

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